Interkristalline Korrosion

Kornzerfall, der bei nichtrostenden Stählen in einem kritischen Temperaturbereich (400 bis 900 °C) eintreten kann.

Die interkristalline Korrosion bezeichnet den überwiegenden korrosiven Angriff an den Korngrenzen des mikrostrukturellen Gefüges von Edelstählen (Bild 1).

Sie entsteht vor allem an und in der Umgebung von Korngrenzen, welche durch eine Wärmebehandlung an Chrom verarmt sind. Dabei diffundiert der im Edelstahl gelöste Kohlenstoff besonders schnell an den Korngrenzen. Er verbindet sich mit dem reaktiven Chrom und scheidet als Chromkarbid aus. Das freie Chrom verarmt in diesen Bereichen (Chromverarmung) und steht zur Bildung einer korrosiven Schutzschicht nicht mehr zur Verfügung. Für austenitische Stähle verläuft dieser Vorgang besonders schnell bei Temperaturen um 475 °C (Bildung der Chi-Phase) und im Bereich zwischen 600 und 850 °C (Bildung der Sigma-Phase).

Allgemein kann die Entstehung der interkristallinen Korrosion durch Reduzierung des Kohlenstoffgehalts in der chemischen Zusammensetzung des Edelstahls herabgesetzt werden. Dieser Typ von Edelstählen wird mit einem L (Low Carbon) markiert. Alternativ können aber auch reaktive Elemente (Titan, Niob) zugefügt werden, welche durch ihre große Affinität zum Kohlenstoff diesen an sich binden und so eine weitere Reaktion mit dem Chrom unterbinden.

Weiterführende Stichworte:
Innere Oxidation
Rost
Spongiose

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