Zündtemperatur

Übliche Bezeichnung für diejenige Temperatur, bei der Stoffe an heißen Körpern Selbstentzündung zeigen (auch Entzündungstemperatur, Endzündungspunkt oder Zündpunkt genannt).

Die Zündtemperatur ist die niedrigste Temperatur, die brennbare Gase, Dämpfe, Stäube oder feinzerteilte feste Stoffe im sog. „zündwilligsten“ Gemisch mit Luft besitzen müssen, um die Verbrennung einzuleiten. Sie ist als also jene Temperatur , auf die man einen Stoff oder eine Kontaktoberfläche erhitzen muss, damit sich eine brennbare Substanz in Gegenwart von Luft ohne Zündfunken ausschließlich aufgrund ihrer Erhitzung, also ohne Zündquelle, selbst entzündet.

Bei Explosivstoffen wird die Zündtemperatur übrigens auch als Verpuffungstemperatur bezeichnet. Die Kenntnis der Zündtemperatur (und des Flammpunkts) hat besonders bei den als feuergefährliche und/oder explosionsfähige Stoffe geltenden Gefahrstoffen große Bedeutung im Hinblick auf Arbeitssicherheit, Kennzeichnung mit den entsprechenden Gefahrensymbolen, Einteilung in Gefahrenklassen für die Transportbestimmungen etc.

Vielfältige Faktoren wie Größe, Gestalt, Art und Beschaffenheit der Oberfläche, beeinflussen die Zündtemperatur. IEC, CENELEC und andere Normengremien haben sich für Gase und Dämpfe auf ein in IEC 60079-4 festgelegtes „Verfahren zur Ermittlung der Zündtemperatur“ verständigt. Dieses Verfahren wurde so definiert, dass mit ihm der niedrigste, praktisch mögliche Wert sehr nahe bestimmt wird. Nach diesem Verfahren teilt man die Gase und Dämpfe in Temperaturklassen ein. Dementsprechend unterscheidet man qualitativ selbstentzündliche, leichtentzündliche und schwerentzündliche Stoffe. Eine genauere Einteilung ist nach Temperatur-Klassen (T1-T6, siehe Tabelle 1) bzw. Zündgruppen (G1-G5) möglich. Gemäß diesen Temperaturklassen werden explosionsgeschützte Betriebsmittel und andere technologische Einrichtungen in ihren Oberflächentemperaturen so ausgelegt, dass eine Oberflächentemperaturzündung ausgeschlossen wird.

Zündtemperatur von Stäuben

Für Stäube (insbesondere auch Metallstäube) ist das Bestimmungsverfahren der Zündtemperatur ebenfalls vereinheitlicht und in dem Dokument IEC 61241-2-1 festgeschrieben. Zu beachten ist, dass der Staub in abgelagerter Form, nach Verfahren A bestimmt als Schicht, und in aufgewirbelter Form, nach Verfahren B bestimmt als Wolke, unterschiedliche Zündtemperaturen aufweist

Die zulässige Oberflächentemperatur für dem Staub zugängliche Teile der Systeme, Geräte und Komponenten ergibt sich, indem von dem nach A bestimmten Wert 75 K abgezogen werden und von dem nach B ermittelten Wert 2/3 errechnet werden. Der kleinere der beiden so ermittelten Werte stellt die zulässige Oberflächentemperatur der Betriebsmittel dar (Tabelle 2). Die Oberfläche ist dabei jene Fläche, die für den Staub zugänglich ist, Temperaturklassen sind bei Stäuben nicht definiert, so dass immer vom konkreten Staub ausgegangen werden muss.

Weiterführende Stichworte:
Explosionsfähige Atmosphäre
Explosionsgrenze

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